FACHLICHES


Tularämie (Hasenpest)
Die Tularämie ist eine in Deutschland seltene meldepflichtige Zoonose, die durch das Bakterium Francisella tularensis hervorgerufen wird. Tularämie kommt in der gesamten nördlichen Hemisphäre (Skandinavische Länder, Russland, Japan, China, USA, Kanada) vor. Betroffen ist häufig die ländliche Bevölkerung.

Die Erkrankung wurde erstmals 1911 beschrieben und in Europa zum ersten Mal 1931 dokumentiert. In Deutschland wurden in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch 100-200 Erkrankungen im Jahr erfasst. Heute kommen nur noch sporadische Einzelfälle vor.

Das Erregerreservoir sind verschiedene kleine wildlebende Säugetiere wie Hasen, Kaninchen, Mäuse, Ratten, Eichhörnchen. Der Erreger wird aber auch in der Umwelt (Wasser, Erde) gefunden. Die Tiere infizieren sich entweder durch Kontakt mit kontaminierter Umgebung oder durch blutsaugende Parasiten (Zecken, Fliegen, Mücken).

Francisella tularensis gehört in Aerosol-Form zu den bio-terroristischen Waffen.

Die Übertragung des hochansteckenden Bakteriums erfolgt vorwiegend durch direkten oder indirekten Kontakt mit erkrankten Tieren, deren Organen bzw. Blut (z. B. beim Abhäuten) oder Ausscheidungen. Übertragungen über Haut- und Schleimhautkontakte sind auch durch den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem kontaminiertem Fleisch (Hasen), durch Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder anderen kontaminierten Lebensmitteln sowie Inhalation von infektiösem Staub möglich. In Endemiegebieten sind auch Stiche von infektiösen Zecken und Stechfliegen bedeutsam. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.

Besonders gefährdete Personengruppen sind Jäger, Forstpersonal, Wildbret verarbeitende Personen, Präparatoren, Landwirte und auch Laborpersonal. Nach einer Inkubationszeit von in der Regel 3-5 Tagen (Spannbreite 1-21 Tage) kann es in Abhängigkeit von der Eintrittspforte, dem Erregertyp und der Infektionsdosis zu vielfältigen lokal begrenzten oder generalisierten Krankheitserscheinungen kommen. So sind beispielsweise Geschwüre an der Eintrittsstelle des Erregers, vergrößerte Lymphknoten, Fieber, Magen-Darm-Störungen, Hals- und Lungenentzündungen und septische Verläufe möglich. Für die Verdachtsdiagnose ist die Anamnese (Vorbericht) hinweisend. Die Diagnostik des hochansteckenden Erregers sollte in dafür spezialisierten Labors (BSL Stufe 3) erfolgen. Vor Einführung einer wirksamen Antibiotika-Therpie betrug die Todesrate bei unbehandelten pulmonalen und typhoidalen Fällen bis zu 30-60%. Bei rechtzeitiger Therapie gibt es kaum Todesfälle.

Seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 wurden auf dem Meldeweg im Jahr 2001 drei und im Jahr 2002 fünf Erkrankungsfälle (davon infizierten sich zwei Personen in Jugoslawien, eine Person aß nicht durchgegartes Hasenfleisch, 1 Person war tiermedizinisch tätig) an das Robert-Koch-Institut übermittelt.

Am 29.10.2005 nach einer Hasen-Treibjagd, an der 27 Jäger und Treiber teilnahmen, erkrankten 9 Jäger und ein Treiber an Tularämie, ein weiterer Jäger starb mit einem mit Tularämie zu vereinbarendem Krankheitsbild, ohne dass die Diagnose labordiagnostisch gesichert werden konnte. Drei dieser Jäger hatten sich beim Ausnehmen und Abbalgen der Tiere Schnittverletzungen zugefügt; alle litten überwiegend an hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und Lymphknotenschwellungen. Das Alter der Erkrankten lag zwischen 11 und 73 Jahre.

Eine Infektion mit F. tularensis ist für Hasen eine schwer verlaufende Erkrankung mit hoher Letalität. Nach Aussagen der Jäger waren jedoch alle erlegten Hasen gesund. Ein vermehrtes Hasensterben ist in der betroffenen Region auch im Anschluss an die Jagd nicht beobachtet worden.

Weitere Informationen beim Robert-Koch-Institut