FACHLICHES


Queensland-Fieber
(Meldung vom 03.06.2003)

Soest (aho)
Im Landkreis Soest sind etwa 150 Menschen am Queensland-Fieber erkrankt. 25 Patienten werden zur Zeit stationär behandelt. Die Betroffenen haben sich nach bisherigem Kenntnisstand Anfang Mai anläßlich eines Bauernmarktes in Bad Sassendorf an einem lammenden Schaf mit dem Erreger „Coxiella burnetii“ infiziert.

Hochinfektiös
Q-Fieber ist eine weltweit verbreitete, von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheit durch den Erreger Coxiella burnetii. Er gehört zur Familie der Ricketsiaceae und vermehrt sich ausschließlich innerhalb von Zellen (obligat intrazellulär).
Coxiella burnetii befällt vor allem Schafe, Kühe und Ziegen. Er findet sich aber auch in Zecken, Wildtieren, Hunden und Katzen. Coxiella ist hochinfektiös, einige wenige Erreger genügen bereits. Primäre Überträger des Q-Fiebers sind in Europa Zecken der Gattung Dermacentor, die den langfristigen Infektionszyklus unterhalten. Nach Infektion von Ziegen oder Schafen gibt es mehrere Wege der Weiterverbreitung: Infektiöser Zeckenkot kann in der Schafwolle zurückbleiben und per Aerosol (Staub) weitere Infektionen verursachen, oder die Infektion kann über die Milch erkrankter Tiere weitergegeben werden.

In der Praxis wohl am häufigsten ist der dritte Weg: Die Infektion führt beim trächtigen Muttertier zu einer Plazentitis mit sehr hohen Keimzahlen im plazentaren Gewebe. Bleibt die Nachgeburt im Gelände liegen, kann nach Austrocknung ein hochinfektiöses Aerosol entstehen. Das Aufwirbeln des Staubs reicht dann oft schon aus, um den Erreger zu übertragen.

Klinische Erscheinungen beim Menschen
Eine auffallende Besonderheit von Coxiella ist die sehr hohe Resistenz gegen Austrocknung und Lichtexposition, weshalb noch nach Monaten sekundäre Infektionen, vor allem durch Aerosole (Einatmen von erregerhaltigem Staub) möglich sind. Bei etwa ca. 50 Prozent der infizierten Menschen werden keinerlei Krankheitszeichen erkennbar. Die Diagnose Q-Fieber wird durch eine Blutuntersuchung gestellt.
Zwei klinische Varianten sind bekannt: Die akute und die chronische Form des Q-Fiebers. Bei der akuten Form kommt es nach Aerosolübertragung (sehr selten nach Zeckenbiß oder Genuß infizierter Milch) mit einer Inkubationszeit von ca. 20 Tagen in vielen Fällen nur zu einem milden, mehr oder weniger fieberhaften Infekt, in manchen Fällen aber auch zu einem hochfieberhaften Krankheitsbild mit Kopf- und Gliederschmerzen. Etwa die Hälfte der Erkrankten entwickelt eine Lungenentzündung (atypische Pneumonie). Komplikationen sind nicht selten, neben einer granulomatösen Hepatitis können Myo-Perikarditiden und Meningitiden auftreten. Die chronische Form führt häufig zu Endokarditiden, die nach einer Latenz von 3-20 Jahren beobachtet wurden.
In der Regel heilt Q-Fieber beim Menschen folgenlos aus, nur in seltenen Fällen kommt es zu einer langandauernden Infektion.

Behandlung
Das Q-Fieber wird in der Regel mit Tetracyclinen (Doxycyclin 200 mg/d über 20 Tage) behandelt. Bei der chronischen Form reicht dies jedoch nicht aus, in diesem Fall muß über mehrere Monate bis Jahre mit einer Kombination aus Doxycyclin und Rifampicin oder Trimethoprim/Sulmethoxazol behandelt werden.

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